Mark Schneider beim ironman in hamburg

Bericht von mark schneider

Ironman Hamburg 2019: Hingefallen, aufgestanden, Krone gerichtet, weitergemacht, gefinisht!

Wir hatten im letzten Jahr beim Ironman Austria am Wörthersee sehr nette Triathleten vom TV Barchfeld aus Thüringen kennengelernt, mit denen wir auch unterjährig in Kontakt geblieben sind. Unter anderem haben sie mich dazu eingeladen, bei ihrem Untertage-Marathon im Salzbergwerk Merkers teilzunehmen, was ich im Februar in moderatem Trainingszustand gerne gemacht habe – in Verbindung mit einem schönen Wochenende in der Thüring‘schen Rhön.

Eigentlich hatte ich vor, mich im letzten Altersklassen-Jahr eher zu schonen und keinen Langdistanz-Triathlon zu machen. Als jedoch die Thüringer Jungs mehrheitlich beschlossen, sich in Hamburg anzumelden, und so die Option für einen gemeinsamen Campingurlaub an der Elbe bestand, hat mich Sandra kurzerhand überredet, mich auch anzumelden.

Mein traditionelles „Trainingslager dahoam“ – eine Woche Urlaub im März, Kinderbetreuung und trainieren, wenn die Kinder in der Schule sind – habe ich auch im Jahr 2019 wieder erfolgreich praktiziert, diesmal bei guten Wetterbedingungen, die mir viele Radkilometer bescherten. Highlight war eine Radtour zum Wintersteinlauf, 30 km mit dem Mountainbike hin und nach dem Lauf zurück im Dauerregen, allerdings beschwingt vom Sieg in der AK.

Im direkten Anschluss an das Trainingslager machte sich mein rechtes Knie bemerkbar, mit undefinierbaren Schmerzen an unterschiedlichen Stellen, mal beim Training mal im Alltag. Ich hatte das früher bereits einmal, da allerdings in beiden Knien. Training mit zu dicken Gängen war seinerzeit die Begründung. Ich machte mir schon Sorgen, nicht um eine Knie-OP herum zu kommen. Dann habe ich aber ganz auf moderates Training als Therapie gesetzt und siehe da, 2 Monate später waren die Beschwerden auch wieder weg, die Form dafür da... 

Erstmals mit Wattmessung

Normalerweise habe ich es ja nicht so mit technischen Gadgets. In diesem Jahr habe ich mich jedoch dazu entschlossen, für meine Vorbereitung beim Radtraining auf Wattmessung umzustellen. Dafür habe ich mir entsprechende Kurbeln für mein Trainings- und auch für mein Wettkampfrad besorgt. Bei einer Messtoleranz von lediglich +/- 1,5% reicht, denke ich, die preisgünstigste Lösung mit dem Tausch lediglich des linken Kurbelarms (nicht gleich der ganzen Kurbelgarnitur) völlig aus. Beides habe ich mit einem Garmin Edge 520 gekoppelt. Ich muss sagen, ich bin begeistert. Eigentlich würde ich mich als eher konventionell und in gewisser Weise traditionell bezeichnen, was mein Training angeht. Ich weiß ungefähr, was man wann und in welcher Intensität für ein Ironman-Rennen trainieren muss, um am Wettkampftag in solider Form zu sein und sich auf dem Rad nicht völlig kaputt zu machen.

 

Da ich zuvor meine persönlichen Leistungsbereiche durch Tests bestimmt hatte, habe ich im Ergebnis durch das wattgesteuerte Training intensive Einheiten weniger hart trainiert. Auf diese Weise war ich anschließend nicht so platt, konnte schneller wieder trainieren und kam so unter dem Strich auf mehr Radkilometer. Mir war klar, dass das umfangreiche Radtraining vor allem zulasten des Laufens gehen würde. Als passabler Läufer habe ich das aber als bewusstes Experiment hingenommen.

Dennoch war ich durchaus optimistisch, was eine akzeptable Laufform angeht. So bin ich früh im Jahr und für mich ungewöhnlich, in Merkers besagten Untertagemarathon (mit Fahrradhelm!) gelaufen (3:15 Std.). Zugegebenermaßen nicht mit der ganz großen Vorbereitung, aber doch mit zwei langen Läufen bei winterlichen Bedingungen im Vorfeld. Auch mit meinem Ergebnis beim Wintersteinlauf in Friedberg Ende März über wellige 30 km mit etwas über 2:00 Std. war ich sehr zufrieden.

Die Vorbereitung....

.... verlief abgesehen von den anfänglichen Knieproblemen gut. Insgesamt habe ich seit Mitte April etwa 15 Stunden pro Woche trainiert und konnte alle wesentlichen Schlüsseleinheiten machen. Klarer Schwerpunkt der diesjährigen Vorbereitung war wie erwähnt das Radfahren.

Um die Radumfänge auch zum Ende hin hoch zu halten, habe ich einen Teil unseres Sommerurlaubs bei Freunden in Ketzin/Havel dazu genutzt, dort mit dem Fahrrad hin und teilweise auch zurück zu fahren, insgesamt 850 km. In zweieinhalb Tagen ging es zunächst nach Mihla in Thüringen (206 km) und dann weiter nach Barby an der Elbe (236 km). Die letzte Etappe nach Ketzin (115 km) war dann locker. Am nächsten Tag habe ich dann beim dortigen sehr gut organisierten Fischerman-Triathlon (600m Schwimmen, 20km Radfahren, 5km Laufen) teilgenommen und war happy über meinen dritten Platz, insbesondere in Anbetracht der Vorbelastung durch die vielen Radkilometer an den Tagen vorher.

 

Eine Schrecksekunde gab es einige Tage nach dem Rennen. Wir sind anschließend noch eine Woche geblieben, um Urlaub zu machen (Familie) bzw. um noch etwas zu trainieren (ich). Bei einer Trainingsausfahrt habe ich mich an ungünstig kreuzenden Bahngleisen langgelegt, übrigens das erste Mal, seit ich Triathlon mache (davor nur MTB-Stürze). Ich fiel aus mittlerem Tempo auf die rechte Seite, spürte gleichzeitig Schmerzen in Knie, Hüfte, Ellenbogen und Schulter und dachte „na sauber, das war's dann wohl mit dem Rennen in Hamburg“. Aufgestanden und erstmal weiter trainiert, was ja schon mal positiv war, dass das ging. Am Ende des Tages standen Hautabschürfungen und Prellungen, die nach einigen Tagen allerdings immer schlimmer wurden, und mich beim Atmen unter Belastung behinderten, sich dann aber rechtzeitig vor dem Rennen wieder besserten.

Durch die Einschränkungen infolge des Unfalls konnte ich in den letzten Wochen vor dem Rennen zwar trainieren, so richtig wohl fühlte ich mich jedoch nicht. Dennoch war ich optimistisch, denn gerade was das Radfahren anging, hatte ich eigentlich alles getan was ich tun konnte. Nun ist das Radfahren bei mir immer eine Packung Pralinen, man weiß, anders als beim Laufen, nie was drin ist. Aber durch die vielen Radkilometer war ich guter Dinge, dass (1) entweder das Radfahren gut laufen würde oder (2) dass – selbst bei schlechter Tagesform auf dem Rad – zumindest das Laufen gut funktionieren müsste, da sich die Vorbelastung auf dem Rad weniger stark auswirken würde.

 

Meine Ziele vor dem Rennen waren daher folgende:

1.       Das für mich bestmögliche Ergebnis erzielen

2.       Wenn die Bedingungen mitspielen,

  • 1:02 Std. Schwimmen,
  • 5:15 Std. Radfahren,
  • 3:30 Std. Laufen und

3.       Das Ziel in einer Zeit von unter 10:00 Std. erreichen

 

So lief das Rennen

Das Rennen in Hamburg war dann in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Durch Hektik am Start infolge einer verpassten S-Bahn von unserem Campingplatz aus verlor ich meine Schwimmbrille und stand zehn Minuten vor dem Start mit Neoprenanzug, Badekappe aber ohne Schwimmbrille da. Auf meine leicht panischen Rufe in die Menge, ob jemand vielleicht eine zweite Schwimmbrille habe, meldete sich eine freundliche Triathletin und lieh mir spontan eine, da mit ihrer Erstbrille offensichtlich alles in Ordnung war. Ohne Antesten (Landstart) ging es dann ins Wasser und siehe da, die Schwimmbrille passte einigermaßen und hielt dicht. Da die Brille getönt war und es durch drei Tunnel/Unter-führungen ging, war die geringe Lichtzufuhr teilweise etwas unangenehm. Im Ergebnis war es aber okay, auch wenn sich das Schwimmen gefühlt ewig hinzog, als die Strecke von der Binnenalster raus auf die Außenalster und dann in Rechteckform zurückführte. Nach 1:02,54 Stunden war ich wieder an Land und hatte nun die längste Wechselzone der Welt zu durchlaufen: erst nach ca. 500m durch die Stadt erreicht man seinen Beutel, dann Neo ausziehen und auf einer endlosen Geraden auf dem Ballindamm weiter bis zum Fahrrad (alle Bikes aufgereiht in einer langgezogenen Doppelreihe).

 

Das Radfahren ließ sich zunächst gut an, allerdings fand ich die Strecke eines Ironman nicht würdig: Schlechter Asphalt, mindestens 20 Eisenbahnschienen, die zwar abgedeckt waren aber dennoch auch unter den Matten erhebliche Schläge verursachten. Sowie einige extrem grobe Kopfsteinpflasterpassagen verursachten in mir Sorgen um mein Material. Auch befanden sich dadurch viele verlorene Ausrüstungsgegenstände auf dem Boden, was nicht ungefährlich war. Daneben war die Strecke unattraktiv, kaum Zuschauer, mit konstant schlechtem Asphalt, führte durch unattraktive Industriegebiete, hatte viele Wendepunkte, war unrund und windanfällig.

Der „Höhepunkt“ war dann, dass ich nach 140 km bei einem Überholvorgang von einer Windböe erfasst wurde und mich mit Tempo 35km/h hingelegt habe. Jedenfalls vermute ich das so, ich habe keine exakte Erinnerung mehr daran. Von sehr hilfsbereiten Zuschauern wurde ich jedenfalls von der Fahrbahn gezogen und erstmal in einem Campingstuhl am Fahrbahnrand platziert. Für einige Minuten war ich benommen, habe doppelt gesehen und war mir nicht sicher, ob ich das Rennen würde fortsetzen können. Nachdem ich die Leute gebeten hatte, einmal mein Rad zu checken, ob etwas kaputt sei, sich z.B. die Räder normal drehen ließen etc., erholte ich mich aber wieder etwas und beschloss, zumindest die verbleibenden 40 km weiter zu fahren - ich musste ja auch irgendwie zurück in die Stadt kommen. Ich hatte natürlich überhaupt keinen Druck mehr. Auch war das Schaltauge verbogen und die Gänge griffen nicht mehr einwandfrei. So bin ich eben so gut es ging gefahren und erreichte nach 5:22 Std die T2. Allerdings waren es auch 184 km (nicht wie sonst       180 km). Meine Gedanken drehten sich jetzt nur noch darum, ob/wie es weitergehen würde. Einerseits hatte ich starke Schmerzen in der rechten Seite, vor allem Hüfte, Becken und Knie waren betroffen, und von daher überhaupt keine Lust mehr auf einen Marathon.

 

Auf der anderen Seite war ein DNF („Did not finish“) für mich überhaupt keine Option - es sei denn, es würde überhaupt nicht gehen. Also erstmal losgelaufen, es galt 4 Runden à 10,5 km entlang der Binnen- und der Außenalster zu bewältigen. Und siehe da, es ging einigermaßen. Nicht schnell aber stetig, ohne Gehpausen, lockeres Tempo, ein 3:47 Std.-Marathon bei 29 Grad, was in Anbetracht der Umstände echt okay war. Gleiches gilt für meine Gesamtzeit von 10:25 Std und dem 30. Platz in der AK (346 Starter), insgesamt Platz 248.

Fazit IM Hamburg 2019

 

Außer Spesen nichts gewesen, so könnte man bösgemeint konstatieren. In Bezug auf die gesteckten Ziele kann man sagen, dass ich die avisierte Endzeit von um 10:00 Std. deutlich verfehlt habe. Angesichts der Umstände habe ich allerdings beim meinem 13. (!) Ironman-Rennen seit 1998 das für mich bestmögliche Ergebnis erzielt. Auch bin ich froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist und ich das Rennen überhaupt finishen konnte. Mit den Hautabschürfungen hatte ich noch den restlichen Urlaub meinen Spaß - wir sind anschließend für 2 Wochen weiter an die Ostsee und nach Norwegen gefahren -, sie werden aber verheilen. Die Regeneration wird so etwas länger dauern, als bei einem normalen Rennen. Aber ohne Finish wäre alles Mist gewesen, einschließlich der Urlaubslaune J. Das Schwimmen war genau innerhalb des gesteckten Rahmens, das Radfahren wäre es ohne Sturz und über lediglich 180 km auch gewesen. Beim Laufen ging es nur noch ums Ankommen. Vielleicht hätte ich in Anbetracht der Temperaturen keine 3:30 Std. erreicht, 10min schneller wäre ich aber allemal gewesen.  

 

Glücklich war ich, als ich beim Auschecken meines Rades die freundliche Triathletin getroffen habe und mich bei ihr nochmals bedanken konnte. Ich hätte ihr die Brille sonst einfach in ihren Wechselbeutel gesteckt, der noch da hing. So aber konnte ich ihr persönlich sagen, dass sie es war, die mir das Rennen überhaupt erst ermöglicht hatte. 3,8km Schwimmen ohne Brille wären für mich als Linsenträger unmöglich gewesen. Chapeau für wahren Sportsgeist!

Ironman Frankfurt 2020

 

Meine Motivation

 

Schwimmen
Wenn die Füße das Wasser berühren, nehmen sie Verbindung auf. Zur ersten Disziplin des Tages und zum Abenteuer, das auf Dich wartet. Mit jedem Schritt, den Du jetzt machst, steigt die Spannung. Das Herz klopft bis zum Hals, hoch bis an die Stelle, an der dir nun das Wasser steht. Nicht sprichwörtlich, sondern ganz real. Ruhe vor dem Sturm? Wohl eher Unruhe. Ein Gefühl, für das man das Wort „mulmig“ erfunden hat. Aber nur ganz kurz. Wenn der Startschuss fällt und hunderte Arme auf die Schwimmstrecke klatschen, fällt der Zweifel zurück. Er kann nicht mithalten mit dem Rhythmus, den Du anschlägst, wenn Du die ersten hektischen Meter erst hinter Dich gebracht hast. Wie in Trance lässt Du die antrainierten Bewegungsabläufe nun einfach passieren. Kaum zu glauben, dass das alles mal so schwer fiel. Und dann, viel früher, als Du es erwartest hattest, ist auch schon wieder Land in Sicht. Und Du machst Dich bereit, es zu erobern.

Radfahren
Neo aus, Helm auf, Rad aus dem Ständer nehmen und ab geht es. Noch etwas steif im Schritt schiebst Du in Richtung Ausgang. T1: erledigt! Nun beginnt der längste Spaß des Tages. Du hast nicht weniger als 180 km vor dir - jetzt wartet das größte Stück Arbeit auf Dich. Schicht
im Traumjob. Und mag es zu Beginn noch so sein, dass Du die Maschine unter Dir bedienst, wirst Du immer mehr zu einer Einheit mit ihr. Die Position perfekt angepasst, um den Wind, die alte Spaßbremse, in den Wahnsinn zu treiben. Er soll sich doch an jemand anderem festhalten, um ihm die Zeit stehlen. Du lässt Dich nicht aufhalten. Nachricht an T2: alles bereit machen für unsere Ankunft!

Laufen
Tack, Tack, Tack … 175 Schritte pro Minute, das ist jetzt Dein Rhythmus. Der Beat, der Dich ins Ziel bringt. Im Kopf macht die Gewissheit gute Laune, dass Dir jetzt nichts mehr passieren kann. Du hast das Ding im Sack. Einfach einen Fuß vor den anderen setzen und dann hast Du es irgendwann geschafft. Die Zeit? Damit kannst Du dich später noch beschäftigen. Jetzt zählt nur der Zug zum Zieltor, den Du Dir bewahren musst. Fliegend, federnd, irgendwie fortbewegend – alles egal jetzt. Weiter, immer weiter. Alles rein, was geht. Und dann mischen sich endlich andere Töne in Deinen Song. Da sind klatschende Hände, durchdringende Bässe. Und aus den Boxen kommt ein Text dazu, der sich definitiv um Dich dreht. Der Refrain: Dein Name.